Der Zauber des Flamenco

Mauricio Sotelo, der große spanische Komponist unserer Zeit, liebt die heiße Musik Andalusiens, den Flamenco. Fuensanta „La Moneta“ ist eine wahre Primaballerina des Flamencotanzes, Agustín Diassera aus Huelva ein Meister der spezifischen Percussion, welche diese mitreißende Kunstform verlangt.
Dazu kommt der Salzburger Stargeiger Benjamin Schmid, der in seiner ganzen glanzvollen Karriere zwischen großer Klassik und Jazz, zwischen der Wiedergabe exakt notierter Stimmen und freier Improvisation wechselt, ja die leidigen Unterschiede zwischen einer so genannten „ernsten“ und einer „unterhaltenden“ Musik nicht akzeptiert, sondern Django Reinhardt für einen nicht weniger bedeutenden Komponisten als Schostakowitsch hält. Musikalische Grenzgänger also, alle mit einer großen Leidenschaft für die klingende Landschaft des Südens, große Musiker, die einander zu einer wahren Sternstunde in Stuttgart treffen.
Flamenco ist in der spanischen Geschichte mit ihrer ethnischen Vielfalt und ihrer politischen Tragik verwurzelt. Die hämmernden Rhythmen dieser Tänze und Lieder gehen wohl bis in die Antike zurück, die sinnlich prallen Gesänge mit ihrer stürmischen Traurigkeit haben viel mit Maurischen, mit Jüdischem und besonders viel mit den „Gitanos“, den iberischen Sinti und Roma, und mit der stolzen Armut des oft hart arbeitenden und mitunter fahrenden Volks zu tun. Flamenco ist bis heute eine ungemein lebendige Tradition, die zwischen höchster Kunstfertigkeit und touristischer Folklore gepflegt wird. Und Flamenco hat bereits im Barock neugierige Musiker inspiriert, in einer Zeit übrigens, in der keine Trennung zwischen „E-“ und „U-Musik“ existierte.
Der Italiener Domenico Scarlatti, Sohn des Opernmaestros Alessandro, Meister der Cembalosonate, wirkte am spanischen Königshof und ließ in seine oft gar nicht so verspielte Musik die Töne einfließen, die ihm auf den Straßen andalusischer Städte begegneten. Im Falle von drei Sonaten wird Mauricio Sotelo dem nachspüren und die alte Musik neu fassen. Packende Uraufführungen sind garantiert. Überraschend wird, wie des französischen Polen Frédéric Chopin Préludes in diesen Kontext passen, in Sotelos Version für Violine und Streichorchester. Aber Chopin war bekanntlich im Winter auf Mallorca und hatte auch in Paris offene Ohren für die dort beliebten spanischen Gäste.
Mauricio Sotelos Red Inner Light Scupture war 2012 ein Auftragswerk für die Geigerin Patricia Kopatchinskaja. Der Percussionist Agustín Diassera war bei der Uraufführung im Juni 2016 in St. Paul in den USA dabei. Nun wird Fuensanta Fresneda Galera, genannt „La Moneta“, gebürtig aus dem geheimnisvollen Granada, den Tanzpart übernehmen. Mit all ihrer explosiven Intensität und präzisen Gestik. Flamenco-Sternstunden mit Starbesetzung. Und Benjamin Schmid wird seine Geige tanzen lassen. Der bisher einzige Geiger, der den Deutschen Schallplattenpreis in den Kategorien Klassik und Jazz erhalten hat, konzertiert auf einer der schönsten Stradivari-Violinen, der „ex-Viotti 1718“, die ihm die Österreichische Nationalbank zur Verfügung stellt. Er hat noch mit Stephane Grappelli gespielt und sein Repertoire reicht von Bach bis Ligeti und Allerneuestes. Es beinhaltet nicht nur Mozart, Beethoven und Co, sondern auch viel Rares aus den letzten drei Jahrhunderten. Ein Porträt von Benjamin Schmid findet sich in dem 2014 erschienenen Buch „Die Großen Geiger des 20. Jahrhunderts“ von Jean-Michel Molkou.

Gottfried Franz Kasparek