Dreikönigskonzert 2017 mit Nicolas Altstaedt

Camille Saint-Saëns | Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 in a-Moll op. 33

Nicolas Altstaedt · Violoncello
Matthias Foremny · Leitung


Camille Saint-Saëns erblickte das Licht der Welt in einer Zeit, in der die frühe Romantik den Ton angab und Beethoven gerade acht Jahre tot war. Als er sechsundachtzig Jahre später starb, hatte Schönberg die Tonalität aus den Angeln gehoben. Unbeirrt blieb der Pariser Meister seinem Stil ein Leben lang treu. Einem Stil, in dem „nichts gesucht, sondern nur gefunden“ wird, wie der Dirigent Hans von Bülow anmerkte. Gefunden hat Saint-Saëns die „sinnreiche Grazie“ eines an Mendelssohn erinnernden Klassizismus, so der Dichter Romain Rolland. „Die Musik muss von sich aus bezaubern“, postulierte der Komponist, sie muss „in die Seele dringen und sich dort auf kleinen Pfaden fortbewegen“. Saint-Saëns war das große Gefühl seiner Zeit nicht fremd. Allerdings mündet sein maßvoller Überschwang immer in feine Lyrik, in oft charmant parfümierte Eleganz oder aparten Witz. Das erste Cellokonzert schrieb er im selben Jahr 1872, in dem er begann, sich in der Zeitschrift „La Renaissance littéraire et artistique“ vehement für die französische Musik einzusetzen, für eben jene spielerische Tradition, die er selbst in formvollendete Höhen führte. Das Konzert wurde am 19. Januar 1873 von dem gefeierten belgischen Cellisten Auguste Tolbècque, dem es gewidmet ist, uraufgeführt. Ähnlich wie in den für Sarasate geschriebenen Violinkonzerten schaffte es der Komponist, dem Anspruch des Solisten auf möglichst viele brillante Passagen ebenso zu entsprechen wie dem eigenen Willen zu sinfonischer Gestaltung. Das Stück ist einsätzig und entspricht der Sonatenform, die minutiös fest gehaltenen Tempobezeichnungen der einzelnen Abschnitte spiegeln aber innere Dreisätzigkeit. Ein markantes Hauptthema kontrastiert wirkungssicher zu den gleichsam gesungenen Teilen. Ungewöhnlich ist der Beginn: keine klassische Einleitung, sondern ein einzelner, energischer Orchesterakkord wird sofort mit der Solostimme konfrontiert, ehe sich ein Frage und Antwort-Spiel zwischen Solo und Kollektiv entspinnt. Im Allegretto-Mittelteil wird ein von den Streichern fein artikuliertes Menuett kunstvoll mit einer deklamatorischen Kadenz verknüpft. Im Finale kehrt das vitale Hauptthema zurück, leitet jedoch zunächst zu rhapsodischen Abschnitten über, die sich immer mehr und immer virtuoser verdichten. Kurz vor dem Schluss kehrt die dezent melancholische Stimmung zurück. In souveräner Knappheit endet das Stück.