Ich hatte eine Farm in Afrika…

„Ich hatte eine Farm in Afrika am Fuß des Ngong-Gebirges.“

Mit diesem Satz beginnt der berühmte Roman von Tania Blixen, dieser Satz kehrt leitmotivisch in dem gleichnamigen Kinofilm wieder und so heißt auch der Main Title der Filmmusik von John Barry. Seine Melodie ist ein Ohrwurm, genauso wie das Hauptmotiv des Adagio in Mozarts Klarinettenkonzert in A-Dur, das im Film die Liebesbeziehung zwischen Karen Blixen (bewundernswert: Meryl Streep) und Denys Finch Hutton (liebenswürdig: Robert Redford) untermalt.
Der Film gewann 1985, als er in die Kinos kam, sieben Oscars, unter anderem für Sydney Pollacks beste Regie, das beste adaptierte Drehbuch und die beste Filmmusik; er wurde Kult und ist bis heute sehenswert – wenn man Melodramatik, idealisierte Afrika-Bilder und romantische Geschichten mag. Unbedingt lesenswert ist der sehr viel differenziertere, inhaltlich und sprachlich wunderbar komponierte Roman Out of Africa, eigentlich eine autobiografische Erzählung über den wesentlichen Lebensabschnitt von Tania / Karen Blixen, geborene Dinesen. Trotz seines Umfangs von über 650 Seiten legt man das Buch nicht mehr aus der Hand.
„Ich hatte eine Farm in Afrika“, heißt es da und im Rückblick erzählt sie, wie sie mit ihrem nicht wirklich geliebten Ehemann, Bror Baron von Blixen-Finecke (im Film angemessen unsympathisch gespielt von Klaus Maria Brandauer), kurz vor Beginn des Ersten Weltkriegs nach Kenia auswandert, um dort eine Molkerei aufzuziehen, die dann jedoch zur Kaffeeplantage umgeplant wird. In einer ungeeigneten, weil viel zu hoch gelegenen Gegend muss dieses Vorhaben scheitern. Bror Blixen, der seine Frau zudem mit der Syphilis ansteckt, geht auf Safari, während sie sich müht, die Farm gemeinsam mit den Eingeborenen zu bewirtschaften. Tania Blixen schildert die Landschaft, die Menschen und Tiere mit großer Einfühlsamkeit; Afrika wird ihr zur „dunkel lockenden Welt“ und irgendwann beginnt auch sie, auf die Jagd zu gehen und Löwen zu schießen. Ihr Partner dabei ist Denys Finch Hutton, mit dem sie eine große Liebe verbindet, obwohl er unstet mal bei ihr wohnt, dann wieder monatelang verschwindet. Sie idealisiert die Beziehung als „eine zwischen zwei Parallelen“. Denys ist derjenige, dem sie als „Scheherazade“ ihre Geschichten erzählt, mit dem sie über das Land fliegt, der ihr das Grammophon schenkt, auf dem sie Schallplatten mit Aufnahmen von Schubert und Strawinsky hören, Beethovens Klavierkonzert in G-Dur – ob auch Mozart und sein Klarinettenkonzert?
Im Roman und in der detailgenauen Biografie von Judith Thurman (die damals am Filmdrehbuch beteiligt war) ist davon nicht die Rede. Doch in den beiden Karen Blixen gewidmeten Museen im dänischen Rundstedlund und im einstigen Mbogani-Haus in Nairobi sowie natürlich im Film, wo das Klarinetten-Adagio die Annäherung von Tania und Denys mitten in der Wildnis begleiten darf, ist Mozart der Komponist der Szene. Kurz vor ihrer endgültigen Rückkehr nach Europa im Jahr 1931 formulierte Tania Blixen in einem Brief, voller Trauer um das verlorene Paradies: „Eine große Welt von Poesie hat sich mir hier eröffnet und mich in ihren Bann gezogen, und ich habe sie geliebt. Ich habe in die Augen der Löwen geschaut und unter dem Kreuz des Südens geschlafen, ich habe auf den großen Ebenen das Gras brennen und nach dem Regen wieder zart und grün sprießen sehen, ich habe Somalis, Kikuyus und Massai zu Freunden gehabt, ich bin über die Ngang-Berge geflogen …“.