Bowie on Strings

© EMI America

Interpreten

Ian Anderson . Arrangements
Stuttgarter Kammerorchester

Programm

David Bowie
„Heroes“ (1977)
„Blackstar“ (2016)

 

„We can be heroes, just for one day.” (David Bowie: Titelsong zu „Heroes“)

Ian Anderson, Komponist und Bratschist des radikalen Streichquintetts „Wooden Elephant“, arrangiert für das SKO „Heroes“ und „Blackstar“ für Streicher und eine Reihe von rein akustischen „Instrumenten“ (in Anführungsstrichen...) und setzt dem Helden David Bowie damit ein Denkmal des 21. Jahrhunderts.

Auf die Anführungsstriche bei „Heroes“ legt Bowie Wert. Gibt es das überhaupt – wirkliche Helden? Das fragt er sich auch selbst. Mit Dreißig hat er, die einflussreichste Stil-Ikone aller Rock-Künstler, schon mindestens sieben Leben auf der Bühne gelebt und in mehr psychedelische Abgründe geschaut, als ihm lieb ist. 1977 nimmt er eine Auszeit von der Szene in Los Angeles und findet sie ausgerechnet in Berlin. Das Album „Heroes“ aus der Berlin-Trilogie entsteht im Hansa-Studio im Westen der Stadt, unweit der Mauer. Dazu hat sich Bowie kongeniale Musikerkollegen ins Boot geholt. So gut wie alle Songs improvisieren sie wie im Flow und nehmen sie sofort auf. Kritiker sprechen von einem Geniestreich, „Heroes“ wird zum Klassiker der Rock-Geschichte und Bowie einmal mehr zum besten Beweis, wie die Kunst den Menschen ins Leben zurückholen kann. Oder vielmehr: das Erschaffen von Kunst ist sein Leben. Vor dem Sterben fürchtet er sich nicht.

David Bowie, der androgyne Brite mit den verschiedenfarbigen Augen, ist als Künstler, Musiker, Schauspieler und Produzent unermüdlich. Seit den späten 1960er Jahren bis zu seinem Tod vor genau 10 Jahren, am 10. Januar 2016, erfindet er sich ständig neu. Mit jedem neuen Album („Hunky Dory", „The Rise and Fall of Ziggy Stardust", „Space Oddity", „Let's Dance", „Tonight", „The Next Day"...) greift er nach den Sternen und katapultiert die gesamte Kunstwelt jedes Mal von einer Galaxie in die nächste. Er ist über alle Genregrenzen erhaben und pfeift auf alles Konventionelle. Sein eigenes Ende schon vor Augen, bringt er sein 28. (!) Album „Blackstar" als eine Art Vermächtnis heraus. Nur zwei Tage später stirbt er an den Folgen von Leberkrebs, den er vor der Außenwelt, auch vor seinen Musikpartnern bei der Aufnahme, geheim gehalten hat. Der Tod kommt für ihn schneller als erwartet, denn Bowie hat zu dem Zeitpunkt noch weitere Projekte für die Zukunft parat.

Der Titel ist Programm. In der Astronomie beschreibt „Blackstar“ einen verlöschenden Stern. Das Album ist Bowies künstlerische Selbstmystifizierung ohne jede Eitel- oder Bitterkeit, kein larmoyanter Abschied, sondern eher ein „Abheben“, eine Transformation vom Sterblichen hin zum Ewigen durch die Musik. Art-Rock, Avantgarde-Jazz und experimentelle Klänge fließen in „Blackstar“ zu einem wieder einmal neuartigen, vielschichtigen und faszinierend schillernden Sound zusammen. Und auch dieses Bowie-Album ist mit seinem Erscheinen bereits ein Klassiker und damit eine Steilvorlage für einen Meister der Genre-Überschreitung wie das Stuttgarter Kammerorchester!

Anne Sophie Meine

Datum

Termin auf Anfrage

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