Das Cello ist meine Identität - World Music mit Abel Selaocoe
Das Cello ist meine Identität
Abel Selaocoes Konzerte sind ein Ereignis. Der südafrikanische Cellist, Vokalist, Komponist, Absolvent des Royal Northern College of Music in Manchester und Opus-Klassik-Preisträger von 2023 und 2025 schafft es nicht nur, weit entfernte Kulturen, Klassik, Jazz, westliche und afrikanische Traditionen klanglich zu vereinen. Er definiert auf eine neue und absolut berauschende Art, was ein Konzert überhaupt ist.
SKO: Abel, du bist in Sebokeng im Süden von Johannesburg aufgewachsen. Wie wurde das Cello zu deinem Instrument?
Abel Selaocoe: Mein älterer Bruder spielte Fagott und hatte für uns eine Outreach Schule gefunden. Ich hatte das Glück, zuerst die richtigen Menschen, in diesem Fall meinen Cellolehrer, zu treffen, bevor ich mich für das Cello interessierte. Das Cello bedeutet für mich verschiedene Arten von Liebe: zu den Menschen, die es mir beigebracht haben, zu dem Instrument, mit dem ich mich selbst und meine Kultur ausdrücken konnte und zu den wunderbaren Werken vom Barock bis zur Romantik. In meinem Township war ein Cello sehr ungewöhnlich, aber es war genau mein Ding, meine Identität.
SKO: Wann hast du die Bandbreite deiner Stimme entdeckt, vom Kehlkopfgesang bis zu den höchsten Tönen?
A.S.: Das Singen an sich kommt bei uns ganz von selbst dazu. Später habe ich das obertonreiche „throat singing“, das den tiefen Lagen des Cellos ganz ähnlich ist, von den Frauen der Xhosa übernommen und auf meine Weise in die Musik integriert.
SKO: Erst im März hast du das gesamte Publikum der Elbphilharmonie dazu gebracht, aufzustehen und aus vollem Herzen mitzusingen – in welcher Bantu-Sprache war das? Wie kommt es, dass wir in Europa, auf der ganzen Welt, „verstehen“, was du singst, ohne deine Sprache zu sprechen?
A.S.: Ich singe auf Sesotho, aber dieser Song war auf Zulu, ich habe eine Mischung aus beiden Sprachen benutzt. Ich denke, es liegt alles an der Intention. Jedes Konzert beginne ich mit einem kurzen Dialog und erzähle etwas über die Absicht der Musik. Wenn das Publikum dem gut folgen kann, ist es ganz leicht. Ein bisschen wie in der Oper…
SKO: … wo man ja auch nicht jedes gesungene Wort versteht, das stimmt.
A.S.: Manchmal streue ich auch Hinweise auf Englisch ein, wenn ich von Frieden, von Konflikten o.ä. singe. Es kommt weniger auf die Worte an als auf den musikalischen Stil, der die Intention vermittelt, und auf die universale Verbindung zwischen uns. Denn was sich in der Musik mitteilt, handelt nicht nur von mir und meiner Herkunft, sondern auch von allen im Saal und ihrer Herkunft.
SKO: Welche Werte sollten wir deiner Meinung nach jungen Menschen durch die Musik weitergeben?
A.S.: Vielleicht diesen Gedanken: Musik ist eine Medizin, die viel bewirkt und dazu noch frei verfügbar ist. Sie hilft gegen Einsamkeit, sie kann Versöhnung schaffen, uns zum Lachen bringen. Wenn du als junger Mensch denkst, dir fehlt etwas, dann frag dich, ob nicht die Musik dir helfen kann. Nutze sie! So viel wie möglich und so oft es geht.
Interview: Anne Sophie Meine
Infos zum Konzert: Coming Home
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